Die Vögel singen …

frühlingshaft … Wirklich, als ich heute mit dem Hund unterwegs war, bemerkte ich es auf einmal, das Singkonzert der Vögel im Wald. Es war anders als in den letzten Wochen. Die Vögel sangen irgendwie lauter und fröhlicher.

Mag sein, dass vielleicht doch schon wieder der eine oder andere Vogel von seiner Winterreise zurück gekehrt ist (ich weiß es aber nicht, ich kenne mich mit den Gewohnheiten der Zugvögel nicht so aus) oder die Vögel hören einfach auf ihre innere Uhr, die sie daran erinnert, dass es langsam Zeit für den Frühling wird.Vielleicht ist das Singen die Vorfreude darauf?! Oder die Vögel sind froh, dass sie den Winter überlebt haben und freuen sich darüber?!

So ähnlich geht es mir auch, wenn ich genau darüber nachdenke. Ich bin auch froh, dass die Tage länger werden und dass man noch im Hellen von der Arbeit heimkehrt. Ich bin froh, dass der Winter bald vorbei ist und ja, ich freue mich auch auf den Frühling …

Ich liebe die ersten Tage im Frühling, die so lau und warm sind, dass man die Jacke am Haken hängen lassen kann und so hinaus kann. Ich liebe die ersten wärmenden Sonnenstrahlen, die es vielleicht sogar erlauben, einen Kaffee in einer windgeschützten Ecke genießen zu können. Und ich liebe das unvergleichlich schöne erste Grün im Frühling, dass sich ausbreitet, wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht. Es gibt kein schöneres Grün auf dieser Welt, als das Grün des ersten neu wachsenden Rasens oder die ersten Blattknospen, die schon an ein paar vorwitzigen Sträuchern zu sehen sind.

Auch selbst fühlt man sich wieder frischer, vielleicht sogar jünger und unternehmenslustiger. Das Leben in uns erwacht dann auch wieder ein bisschen mehr …

Ja, ich freue mich auf den Frühling und ich kann die Vögel verstehen, dass sie ihrer Freude oder Dankbarkeit darüber, jeden Tag mit einem solch schönen Gesang zum Ausdruck bringen …

Bitte, Frühling, lass nicht mehr so lange auf Dich warten … die Vögel spüren Dich ja schon … DSC_0532

 

 

 

Erstens kommt es anders …

 

und zweitens als man denkt …

Dieses Wochenende hat genau diese These bewahrheitet .. Ich dachte noch am Donnerstag Abend, ich verbringe ein (relativ) ruhiges Wochenende mit meinen 3 Kindern (und dem Hund als Kind Nr. 4 😉 ), da wurde mir Donnerstag Abend um 23.00 Uhr von meinem Mann eröffnet, dass seine Ex-Frau ihn überredet hat, dieses Wochenende auch seine Kinder zu nehmen (normalerweise haben wir die Kinder im Wechsel – ein Wochenende seine, das andere meine).

Also statt Wochenende zu viert nun Wochenende zu siebt … Den Freitag Vormittag habe ich damit verbracht, nochmals einzukaufen, obwohl ich eigentlich schon Donnerstag alles eingekauft hatte, aber seine Kinder mögen nun mal nicht das, was meine Kinder mögen … und gäbe es dann nur das, wäre das natürlich ungerecht und gemeint … und gereicht hätte es ohnehin nicht, da seine Kinder sehr gerne und auch sehr viel essen … Zwischendurch hatte ich noch einen Termin beim Krankengymnasten und beim Arzt. Dann musste ich die Betten für die Kinden meines Mannes neu beziehen. Danach schnell essen kochen, da meine Kinder von der Schule kamen. Nach dem Essen musste ich nochmals meine Kinder zum Aufräumen ihrer Zimmer anhalten bzw. sie dabei zu unterstützen, damit dann Platz für alle ist … Den restlichen Nachmittag hatten wir dann mit dem Hund draußen verbracht und als wir zurückkamen, waren sie auch schon da …

Mein Mann hatte an dem Wochenende nichts Anderes zu tun, als noch eine Baustelle im Haus zu eröffnen. Eigentlich sollte nur die Duschabtrennung bei uns im Badezimmer ausgetauscht werden … mittlerweile sind im halben Badezimmer die Fliesen abgeschlagen, da er beim Montieren der Abtrennung feststellte, dass die Duschwanne nicht völlig einwandfrei eingebaut war. Also, musste die natürlich ausgebaut werden. Vorher mussten noch alle Badschränke abgenommen und dementsprechend entleert werden. Danach mussten die Fliesen um die alte Duschwanne abgeschlagen werden und da ja immer alles anders kommt, als man denkt, gingen dabei dann auch noch ein paar Bodenfliesen zu Bruch und man könne ja eigentlich direkt auch die Duschwanne austauschen … Das Fluchen meines Mannes trug zu der ohnehin enormen Lautstärke, die 7 Menschen und ein Hund in einem Haus versuchen können, bei …

Mein Tag heute bestand aus Essen kochen oder vorbereiten, gefühlten stundenlangem Aufräumen der Küche, nochmals einkaufen, da doch noch nicht alles reichte, die Mädels zum Reiten fahren, den Dreck, der sich durch die Baustelleneröffnung im ganzen Haus ausbreitete, zu beseitigen, stundenlangem Pakete packen und wegschaffen, da meine Mädels beschlossen hatten, ihre Schleichsammlung aufzulösen und wir bei ebay damit erfolgreich gewesen waren, Streit zu schlichten, der irgendwie immer auftritt, wenn 3 Mädels auf „engem Raum“ wirken, meinen Sohn zu besänftigen, der sich darüber aufregte, dass sein Stiefbruder während seiner Abwesenheit seine Playstation benutzt hatte, meinem Stiefsohn zu erklären, dass ich nicht möchte, dass in unserem Haus geraucht wird (nicht mal eine E-Zigarette), die Kinder dem Hund vom Leibe zu halten, der wenigstens zwischendurch mal für eine halbe Stunde die Augen zumachen wollte, mit meiner Tochter, die sich ihr Weihnachts- und Geburtstagsgeld für ein neues Handy gespart hatte, dieses mit ihr auszusuchen bzw. online Verträge zu vergleichen, um sich letztendlich dann gegen einen Vertrag zu entscheiden, die Küche am späten Nachmittag, nachdem ich 1 1/2 Stunden mit dem Hund im Wald war, vom klebrigen Waffelteig zu befreien, da mein Mann seiner Tochter erlaubt hatte, Waffeln zu backen (wohlgemerkt bunte Waffeln und Lebensmittelfarbe geht hervorragend von manchen Gegenständen und Kleidung ab :-(. Da mein Mann abends noch kurz vor Toresschluss wegen seiner Baustelle in den Baumarkt musste, gewann ich noch die Aufgabe des Bolognese-Kochens, obwohl er sich Donnerstag Abend bereit erklärt hatte, dass er sich an diesem Wochenende um das Kochen kümmern wolle. Wir aßen dann irgendwann so um 21 Uhr, weil ich meinem Mann zwischendurch als Handlanger dienen durfte. Dann musste ich nochmal die Küche aufräumen und so gegen 22 Uhr war dann Feierabend … Hurra …

Tag geschafft. Ich noch mehr geschafft. In der Gewissheit, morgen noch mehr oder Ähnliches schaffen zu müssen … Gute Nacht 🙂

Nach der Nacht die Augen öffnen …

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Früher, als Kind, hatte ich manchmal Angst, abends im Bett die Augen zuzumachen … Ich dachte immer, wenn ich sie jetzt zumache, kann es ja auch passieren, dass ich sie morgen nicht mehr öffnen kann … ich hatte Angst davor, sobald ich die Kontrolle über mich an die Nacht abgebe, habe ich keinen Einfluss mehr darauf, am Leben zu bleiben …

Wie naiv gedacht … oder? Wenn wir schlafen, haben wir keine Kontrolle mehr darüber, was mit uns geschieht. Uns kann der Tod im Schlaf überraschen und wir bekommen vielleicht nicht einmal etwas davon mit … Vielleicht sogar ein tröstlicher Gedanke. Denn oft verbinde ich Gedanken an den Tod oder über den Tod mit Angst … Ich habe Angst davor zu sterben … Warum hat man eigentlich Angst davor? Ich meine, wenn man doch tot ist, muss man doch nicht mehr vor Schmerzen oder Sorgen oder Problemen Angst haben. Vielleicht ist sogar eher der Weg zum Tod etwas, was man mehr fürchten sollte. Denn gerade, wenn der Tod am Ende einer langen Krankheit die Erlösung bringt, ist er doch etwas Schönes, was das lange Leiden und die Schmerzen endlich beendet. Vielleicht fühlt man auch so, wenn man bereits einen langen Leidensweg hinter sich hat … ich weiß es nicht … mag sein …

Natürlich ist es Quatsch, dass man den Tod kontrollieren könnte, wenn man nicht schläft. Gut, wenn man sich schlecht fühlt oder einem die Schmerzen in der Brust plötzlich richtig Angst machen, hat man vielleicht noch die Möglichkeit den Notarzt zu rufen. Aber Kontrolle … Kontrolle hat man doch deshalb nicht über den Tod …

Den Tod kann man nicht kontrollieren. Der Tod holt uns, wenn es soweit ist … den einen früher … den anderen später … den einen am Tage … den anderen in der Nacht … Aber eines ist sicher, er holt uns irgendwann einmal alle … Und auch das sollte doch eher ein tröstlicher Gedanke als ein angstmachender sein. Der Tod gehört zum Leben dazu. Ob wir nun Angst davor haben oder nicht, er wird uns alle holen … und deshalb wäre es doch eigentlich besser, keine Angst vor dem Tod zuzulassen, denn warum sollte man sich das Leben mit etwas schwer machen, von dem wir wissen, dass es ohnehin passieren wird …

Mit diesem Gedanken werde ich jetzt in mein Bett gehen und glücklich darüber sein, wenn ich morgen wieder die Augen öffnen darf und ohne Angst vor etwas Schlimmen, was mir widerfahren könnte, den Tag erleben darf … Gute Nacht und schlaft schön …

Sich eine Schlange ins eigene Nest legen … oder wie war das Seminar in Hamburg?

Es ist eigentlich wirklich zum Lachen … Ich war auf einem Seminar – im schönen Hamburg. Meine Chefin hatte mir eines genehmigt, da sie auf meine Frage nach Weiterbildung lange überlegt hatte, dann aber schließlich von einem Wort in der Seminarbroschüre überwältigt wurde: „Chefentlastung“. Dieses magische Wort ließ sie alles vergessen und so bekam ich dieses Seminar bewilligt. Eigentlich hatte ich mir eher etwas Anderes vorgestellt, denn mit dem Stichwort „Chefentlastung“ konnte ich so gar nichts anfangen. Hatte nicht unsere Chefin ohnehin schon alle ihre Aufgaben auf unser Team abgewälzt??? Wovon sollte ich sie denn noch entlasten???

Da ich des Grübelns müde wurde, meine Lust auf dieses Seminar sich in Grenzen hielt, verdrängte ich es erst einmal, bis es nun letzte Woche so weit war. Immerhin war die Tagungsstätte in Hamburg – da konnte man zumindest noch das Wochenende dran hängen und eine liebe Freundin besuchen.

Und was soll ich sagen? Das Seminar war spitze – allerdings rissen wir das Thema Chefentlastung nur am Rande an. Klar, wir sprachen auch über Arbeitsstile, Führungsstile und ein bisschen theoretischen Kram, aber der Inhalt dieses Seminar hatte für mich einen kompletten Überraschungseffekt. Ein großes Thema war „Werte“. Stimmen die Werte, nach denen meine Chefin handelt, überhaupt mit meinen Werten überein? Lassen sie sich überhaupt zusammenbringen? Das Ergebnis dieses Aspektes war zum einen erstaunlich. Ich hatte auch Werte, die ich bei meiner Chefin sehr lästig finde. Wegen ihres „Sicherheitsbedürfnisses“ zum Beispiel muss ich alles 3 x checken, wenn sie auf Reisen geht. Sie online einchecken, ihr am besten den Weg vom Flughafenparkhaus zum Terminal visualisieren, am liebsten noch herausfinden, was an Bord für ein Mittagessen serviert wird (da hört es für mich aber spätestens auf ;-). Aber ich habe diesen Wert – also dieses Bedürfnis danach ebenfalls – nur nicht so ausgeprägt. Allerdings hat sie auch sehr viele Werte (und damit verbunden leider auch sehr viele Verhaltensweisen), die mit meinen so gar nicht übereinstimmen. Die Trainerin bestärkte uns, herauszufinden, ob wir auf Dauer mit diesen Missverhältnissen leben könnten oder nicht doch lieber für uns die Konsequenzen ziehen müssten.

Dann lernten wir viel über Grenzen setzen. Strategien zum „NEIN“ sagen. Dem Chef und den Kollegen unser bzw. ihr Spielfeld abstecken. Durch geschickte Fragen, Tests und Spiele, deren Ergebnisse zum Teil sehr nachdenklich stimmten, wurden wir wirklich stark gemacht, bestärkt zum Ablehnen, eigene Rechte durchsetzen, NEIN sagen.

Dieses Seminar ging so in die Tiefe, weil die Trainerin durch ihre unglaublich provokanten Fragen, uns einen Spiegel vorhielt, der uns zum Teil ziemlich nackig da stehen ließ. Die Gedanken dazu ließen uns alle nur sehr wenig und schlecht schlafen. Und ja, sie hat in jedem von uns etwas bewegt, was noch sehr weitreichende Folgen haben kann (das hat sie uns ernsthaft prophezeit).

Dieses Seminar hat aufgerüttelt, aufgedeckt, uns Stärke gelehrt und Strategien aufgezeigt. Obwohl wir viel Spaß hatten, waren es nicht immer lustige Themen.

Das eigentlich Lustige daran ist, dass meine Chefin, sich mit dem Vorschlag dieser Weiterbildung für mich, sich ihre eigene Schlange ins Nest gelegt hat … Anstatt morgen Wunder zu erwarten, dass sie auch die letzten ihrer Arbeitsbereiche abwälzen kann, wird sie sich wundern, dass aus harmlosen kleinen Piepmätzen, plötzlich giftige Schlangen werden können …

Selbstmitleidsklagelied

Es geht mir schlecht …

Die Erkältung hat mich fest im Griff …

Das Fieber schwächt mich …

Ich fühle mich matt und kraftlos

und das hasse ich am Allermeisten …

Vom eigenen Körper niedergezwungen zu werden,

ist am schwersten zu akzeptieren …

für mich …

Schwach sein, kann ich nicht annehmen,

bedeutet eine Niederlage …

für mich …

Der Antrieb fehlt …

Der Motor stottert …

Die Reifen sind platt …

Wer will schon solch ein Auto fahren?!

Das ist nichts …

für mich …

Alles dauert schon so lange …

Ein oder zwei Tage krank,

kann man noch ertragen …

dann wird es schwer …

für mich …

Der Hals ist rauh,

die Stimme kratzt,

der Kopf der schmerzt,

Alles ist so grau und trist herum …

Das zieht noch mehr herunter …

lässt mich noch schlechter fühlen …

Und dabei ist es nur eine Erkältung …

Und eigentlich ist es gar nicht diese Erkältung …

Nein, sie kommt genau richtig …

für mich …

Denn zeigt sie mir nicht genau die Baustellen

auf, an denen ich noch arbeiten muss …

Das ist wichtig …

für mich …

Schwäche zeigen,

um Hilfe bitten,

nicht stark sein können,

nicht mehr zu funktionieren,

das sind Dinge, die zu lernen, wichtig sind

für mich …

Und vielleicht ist jetzt die Gelegenheit,

damit anzufangen …

für mich …

Entstauben ..

Ich bin gerade dabei, meine Tastatur zu entstauben. Sie hat tatsächlich ein wenig Staub angesetzt – so lange habe ich nicht mit ihr gearbeitet und meine Gedanken niedergeschrieben …

Nicht, dass ich nicht das Bedürfnis dazu gehabt hätte … Es gab eigentlich recht viele Momente – schöne und auch tragische, witzige und auch traurige – , die es wert gewesen wäre, dass man sie festhält, aber ich hatte einfach keine Zeit … oder vielleicht besser gesagt, ich habe mir keine Zeit genommen.

Wenn ich darüber nachdenke, bin ich eigentlich erschüttert, mit welchen banalen Dingen man sich manchmal vom Leben ablenken lässt oder von den wirklich wichtigen Dingen im Leben. Erst heute habe ich mit meinem TCM-Therapeuten darüber gesprochen, dass wir Menschen tatsächlich den Sinn des Lebens vergessen haben. Wir lassen uns von den WhatApp-Nachrichten, von den Likes unserer Freunden bei facebook von den posts auf twitter, von dem blitzblanken nagelneuen 80.000 Euro Auto, von dem hippen Cluburlaub in den angesagten Urlaubszielen dieser Welt, von den Shoppingtouren durch die angesagten Boutiquen der Städte, die gerade „in“ sind, von der Mode des neuen aufstrebenden Jungdesigners und mit so vielen anderen Dingen vom Leben ablenken.

Auf der Heimfahrt von der Akupunktur war ich ziemlich nachdenklich, denn ich schaffte es ebenfalls nicht auf Anhieb, meinen Sinn in meinem Leben zu benennen und überzeugend darzustellen. Klar, da sind die Kinder für die man da ist und für die man lebt, da ist der Partner, mit dem man das Leben teilt, da ist das Haus, die mittlerweilen alten Eltern, die Geschwister. Dafür da zu sein, macht natürlich schon einen Sinn … aber, ich glaube, das allein ist es nicht. Müsste sich nicht der Sinn des Lebens in den Handlungen und Taten von mir zeigen und darstellen … Müsste ich ihn nicht spüren können … Wäre es nicht vielleicht sogar viel schöner, den Sinn des Lebens in meinen kleinen Taten und Handlungen – ja, sogar im Alltagstrott – spüren zu können …?!

Und schon jetzt beim Schreiben merke ich, was sich hinter diesen Gedanken alles verbirgt oder verbergen könnte … Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, in meinem derzeitig ebenfalls vollgestopften Leben, diesen Gedankenberg anzurühren … Und dennoch weiß ich, dass ich es machen sollte, denn seit dem Gespräch heute Nachmittag spüre ich eine gewisse Traurigkeit, aber auch eine wachsende Sehnsucht, mich auf die Suche nach meinem Sinn in meinem Leben zu machen … Aber vielleicht fange ich auch erst einmal ganz vorsichtig an und versuche zu spüren, dass ich lebe … fange an, wieder das Sehen zu lernen … die kleinen, schönen Dinge am Wegesrand auf der Heimfahrt … die aufgehende Sonne am frühen Morgen .. auch, mein Gehör müsste aufwachen … damit ich den kleinen emsigen Vogel am frühen Morgen wieder singen höre … und ich muss lernen, wie sich Berühren anfühlt … die Rinde eines Baumes … das warme weiche Gras im Sonnenlicht … Regen auf der Haut … und Riechen … wie riecht nochmal frisch gemahlener Kaffee … die nasse Erde im Wald nach einem Regenschauer … gemähter Rasen … ein Apfelkuchen im Backofen …

Puuuhhh, ich merke jetzt schon beim Schreiben, dass die Tastatur nicht das einzige ist, was das ganz dringende Bedürfnis hat, von einer dicken Staubschicht befreit zu werden …

Ich wollte nie erwachsen sein …

Und doch ist es vielleicht ganz unbemerkt passiert … das Alter hat sich still und heimlich an meinem Bewusstsein vorbei geschlichen. Der Kopf hat mir vorgegaukelt, dass die Zeit irgendwo 20 Jahre einfach so vergessen hat. Manchmal wollte wohl die Gewissheit, dass die Jahre vergehen, in meinen Kopf eindringen – zum Beispiel, wenn ein Lied im Radio gespielt wurde, welches mir vorkam, als sei es erst gestern ein Hit gewesen und dann der Radiomoderator ganz erbarmungslos sagte: „Dieser Song ist nun auch schon 25 Jahre alt und immer noch ein Hit“ *seufz* Dennoch schaffte mein kluger Verstand diese Anflüge von Ahnungen, Wissen, Glauben auszuschalten und zu verdrängen … Aber heute … heute ist es passiert … und es ist einfach nicht mehr wegzuleugnen …

Heute fand ich mich das erste Mal im Best Ager Programm unserer Firma wieder (als kleiner Trost für mein aufgewühltes Herz kann ich sagen, dass man bei uns schon mit 20 Jahren Firmenzugehörigkeit dazu eingeladen wird – man muss also noch nicht unmittelbar vor Renteneintritt stehen 😉 und als ich so in die Runde blickte, dachte ich nur so bei mir: „Gehörst Du wirklich nun dazu?“ „Bist Du nun alt?“ Mein Verstand sagt ganz knallhart und unbarmherzig: „JA!!!!“ Mein Herz versucht verzweifelt ein leises „Nein“ dagegen zu stellen …

Wie heißt es so schön: „Man ist so jung, wie man sich fühlt“, aber wie schafft es ein Verstand einfach 20 Jahre oder mehr zu übersehen oder im Fühlen wegzumogeln???? Das will einfach nicht in meinen Kopf hinein!!!

Schon vor Jahren (als ich wirklich noch jung war und am Anfang aller Träume stand) als Peter Maffays CD „Tabaluga“ erschien (welche mittlerweile schon – und das ist wieder kaum zu glauben – 32 Jahre auf dem Markt ist), gefiel mir ein Lied daraus am allerbesten … die Worte der alten Nessaja …

„Ich wollte nie erwachsen sein
hab‘ immer mich zur Wehr gesetzt.
Von außen wurd‘ ich hart wie Stein
und doch hat man mich oft verletzt.

Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben.
erst dann, wenn ich’s nicht mehr spüren kann,
weiß ich, es ist für mich zu spät,
zu spät, zu spät.“

(aus Tabaluga und die Reise zur Vernunft)

Und diese Worte sind doch irgendwie tröstlich … denn irgendwo tief in mir, fühle ich, dass es vielleicht doch noch lebt … dieses Kind in mir …

Hamsterrad

Manchmal habe ich das Gefühl, in einem Hamsterrad zu laufen. Immer weiter und schneller, um endlich ans Ziel zu kommen und dabei merke ich überhaupt nicht, dass ich meinem Ziel nicht annähernd ein klitzekleines Stückchen näher gekommen bin, sondern genau da stehe, wo ich zu Beginn des Laufes gewesen bin.

Dabei gebe ich mir solche Mühe, flitze wie der Hamster mit seinen kleinen Beinchen über die verchromten Stäbe des Rades, gönne mir keine Pause, haste weiter und weiter – vielleicht um aus der Situation zu entfliehen, in der ich mich im Moment befinde … um diesen Käfig zu entfliehen. Fleiß und Ausdauer müssen doch belohnt werden. Ein Ankommen muss doch möglich sein, wenn ich mich noch schneller und länger bewege und laufe … laufe … laufe … Nur nicht aufgeben!!! Nur wer durchhält, wird belohnt ….

Irgendwann merke ich dann wie meine Beine schwer werden vom stundenlangen Lauf … ich merke, wie meine Muskeln zu zittern anfangen … spüre wie meine Augen zufallen wollen … mein Atem holpert und verkrampft sich.  Doch, ich kann doch nicht aufgeben … bin doch noch nicht da … habe nicht das erreicht, wonach ich mich sehne und wovon ich träume …

Dann plötzlich stolper ich über meine Beine, die sich bleischwer einfach nicht mehr koordinieren lassen. Ich falle auf die Nase und überschlage mich im Schwung des Rades und werde plötzlich aus dem Rad hinauskatapultiert. Benommen bleibe ich liegen und einen Moment ist mir schwarz vor Augen … Augen, die ich nicht zu öffnen wage … denn im tiefsten Inneren weiß ich, dass ich dann erkennen muss, dass ich genau dort bin, von wo ich eigentlich mit aller Macht und Kraft weg wollte …

Man muss noch Chaos in sich haben …

„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Friedrich Nietzsche)

Dieses Zitat lief mir heute Morgen über den Weg. Es ist eine meiner Lieblingsweisheiten.

Eigentlich warte ich jeden Tag darauf, einen tanzenden Stern gebären zu können, denn genug Chaos habe ich in mir. Aber irgendetwas fehlt da noch – vielleicht das Zünglein an der Waage. Ein tanzender Stern muss etwas ganz Großartiges sein, etwas Buntes, Glänzendes, Schillerndes, was quirrlig durch die Gegend tanzt. Es muss sich wie das größte Glücksgefühl auf Erden anfühlen, wenn man diesem tanzenden Stern zusieht .. denn, wann kann man schon einmal einem tanzenden Stern begegnen. Ist das überhaupt jemals schon einem Menschen passiert?!

Ich glaube, Nietzsche hat Recht, dass es ganz sicherlich den Vernunftmenschen, den Strukturierten und absolut Organisierten NICHT passieren kann. Denn die schönsten und eindruckvollsten Erlebnisse und Augenblicke, die ich in meinem Leben hatte, entstanden aus einer Art Verrücktheit heraus … vielleicht aus der Verrücktheit der Liebe, die uns ja, wenn uns große Gefühle begegnen, schon einmal leicht verrückt werden kann … oder leicht verrückt aus Übermut und guter Laune … und die Ergebnisse waren fantastisch … der ganze Körper war am Überschäumen vor Glück … Das gehört vielleicht ein bisschen zu dem Chaos, welches Nietzsche meint …

Wie auch immer … sollte ich einmal einem tanzenden Stern begegnen oder gar gebären, werde ich sicherlich davon berichten …